Neugeborenes und Kleinkind

Kleinkindern mit Geburtsstress nach Saugglockengeburt, Kaiserschnitt, zu langer oder zu schneller Geburt kann osteopathisch gut geholfen werden. Hier kommt es durch den Stress häufig zu Reizungen im Hirnstammbereich (Arbeit von Renee Zweedijk) und zu Störungen der Verdauung, zu Schreckhaftigkeit und Unruhe.

Durch die starke Spannung unter der Geburt kann es zu Fehlspannungen im Bereich der Kopfgelenke und des Hinterhauptes kommen, welche Haltungsasymmetrien zur Folge haben. Spannungen können auch im Beckenbereich vorkommen und führen hier zu Hüftreifungsproblemen.

In der Osteopathie betrachtet man das Nervensystem als Ganzes. Es ist von seiner Hülle, der Rückenmarkshaut und der Hirnhaut umgeben und muss in dieser frei schwimmen können um genügend ernährt zu werden. Wenn dies behindert wird, wird auch die Entwicklung und Entfaltung des zentralen Nervensystems gestört. Ein Kind wird unreif geboren und muss bis zum Erwachsenenalter noch viel Entwicklung durchlaufen. Mit der Reifung des Gehirns werden bestimmte Funktionen ausgebildet, wie z.B. das Sprechen oder die Blasenkontrolle. Dabei werden die zugeordneten Areale im Gehirn aktiviert durch Durchblutung und nervliche Anbindung.

Die Osteopathie sieht diese Entwicklung vielfältigster Funktionen in einem komplexen Zusammenhang. Dieser Sicht folgen Diagnose und Therapie in der osteopatischen Praxis. Mit der osteopathischen Behandlung begleitet man das Kind durch seine Entwicklungsphasen:

Unmittelbar nach der Geburt hat der Schädel noch viel mehr einzelne Knochen, die im Laufe der Entwicklung (Schädelbasis bis zum 7. Lebensjahr, Gesichtsschädel bis zu 14. Lebensjahr) noch vielfältig umgestaltet werden. In der ersten Zeit nach der Geburt ist neben dem Becken die Schädelbasis wichtig. In beiden Regionen muss es zu einer Entfaltung kommen.

Beispiel Zungengrund:
Hier kommt es bei Säuglingen häufig zu Fehlspannungen. Der Unterkiefer steht zu weit hinten und die Zungengrundmuskulatur ist zu fest. Dadurch kann das Kind nicht gut trinken. Bei diesen Kindern befindet sich der Kopf meist in einer Überstreckung, wodurch zusätzlich das Trinken behindert wird. Diese Fehlspannungen werden im Gesamtkonzept der osteopathischen Behandlung gelöst, damit es zu einem besseren Schlucken kommt. Das Saugen des Babys ist die Grundlage der späteren Sprachbildung. In dieser ersten Zeit müssen die Nerven, die den Schlucktrakt versorgen, erst noch ihre Positionen finden. Dieser Bereich ist eng mit den Kopfgelenken verbunden. Fehlspannungen oder einseitige Spannungen hier führen zu einem unterschiedlichen Abbau der Grundreflexe und damit zu einem einseitigen Bewegungsaufbau (S. Goddard Blythe, 'Greifen und BeGreifen'). Dieser ist aber wichtig für den Aufbau des Körperbildes und wirkt in die höheren geistigen Fähigkeiten ein, die wir beim Lernen brauchen.

Beispiel räumliches Sehen:
Etwa im 8. Monat werden im Sehzentrum die Blauzäpfchen geschaltet und damit ist Farbsehen möglich. Das Kind lernt zu krabbeln und damit den Raum über die Koordination zwischen Nähe und Ferne zu begreifen. Es entwickelt ein räumliches Sehen . Dazu muss die Durchblutung der entsprechenden Hirnareale vorhanden sein, es darf in diesen Bereichen keine Mobilitätsverluste geben. Die Augen und die Kopfgelenke müssen mobil sein.

Weitere wichtige Stufen der kindlichen Entwicklung:
Sprachbildung und Ich-Erkenntnis im 2. Lebensjahr
Cognitive Entwicklung zum Zeitpunkt der Einschulung um das 6. Lebensjahr

Immer wird mit allen Systemen gearbeitet, dem Skelettsystem, den Organen, dem Gefäßsystem, dem Nervensystem, der Psyche!

Beispielhafte Indikationen:

Baby:

» Geburtsstress
» Kiss-Syndrom
» Blähungen
» Lungenprobleme
» Nierenprobleme
» Augenprobleme
» Infektanfälligkeit
» Lymphsystem nach Erkrankungen
» Liquor-Abflussstörungen
» Fehlbildungen
» Down-Syndrom

Kleines Kind:

» Haltungsasymmetrien
» Schlafstörungen
» Sprachentwicklungsstörungen
» Fehlentwicklungen im Mundbereich
» Ohrentzündungen
» Schielen
» Akute Infekte
» Lungenprobleme
» Nierenprobleme
» Augenprobleme
» Infektanfälligkeit
» Probleme nach Stürzen
» Schädelhirntrauma