Neugeborenes und Kleinkind

» Osteopathie bei Babys und Kleinkindern
» Was haben Stillprobleme mit der Entwicklung des Kiefers zu tun?
» Warum kommt es zu Motorik- und Verdauungsproblemen?
» Welchen Einfluss hat das Zwerchfell?
» Woher kommt das Lispeln?
» Welche Rolle spielt die Kieferorthopädie?
» Woher kommt die Skoliose immer so urplötzlich?

 

Osteopathie bei Babys und Kleinkindern

Kleinkindern mit Geburtsstress nach Saugglockengeburt, Kaiserschnitt, zu langer oder zu schneller Geburt kann osteopathisch gut geholfen werden. Hier kommt es durch den Stress häufig zu Reizungen im Hirnstammbereich (Arbeit von Renee Zweedijk) und zu Störungen der Verdauung, zu Schreckhaftigkeit und Unruhe.

Durch die starke Spannung unter der Geburt kann es zu Fehlspannungen im Bereich der Kopfgelenke und des Hinterhauptes kommen, welche Haltungsasymmetrien zur Folge haben. Spannungen können auch im Beckenbereich vorkommen und führen hier zu Hüftreifungsproblemen.

In der Osteopathie betrachtet man das Nervensystem als Ganzes. Es ist von seiner Hülle, der Rückenmarkshaut und der Hirnhaut umgeben und muss in dieser frei schwimmen können um genügend ernährt zu werden. Wenn dies behindert wird, wird auch die Entwicklung und Entfaltung des zentralen Nervensystems gestört. Ein Kind wird unreif geboren und muss bis zum Erwachsenenalter noch viel Entwicklung durchlaufen. Mit der Reifung des Gehirns werden bestimmte Funktionen ausgebildet, wie z.B. das Sprechen oder die Blasenkontrolle. Dabei werden die zugeordneten Areale im Gehirn aktiviert durch Durchblutung und nervliche Anbindung.

Die Osteopathie sieht diese Entwicklung vielfältigster Funktionen in einem komplexen Zusammenhang. Dieser Sicht folgen Diagnose und Therapie in der osteopatischen Praxis. Mit der osteopathischen Behandlung begleitet man das Kind durch seine Entwicklungsphasen:

Unmittelbar nach der Geburt hat der Schädel noch viel mehr einzelne Knochen, die im Laufe der Entwicklung (Schädelbasis bis zum 7. Lebensjahr, Gesichtsschädel bis zu 14. Lebensjahr) noch vielfältig umgestaltet werden. In der ersten Zeit nach der Geburt ist neben dem Becken die Schädelbasis wichtig. In beiden Regionen muss es zu einer Entfaltung kommen.

Beispiel Zungengrund:
Hier kommt es bei Säuglingen häufig zu Fehlspannungen. Der Unterkiefer steht zu weit hinten und die Zungengrundmuskulatur ist zu fest. Dadurch kann das Kind nicht gut trinken. Bei diesen Kindern befindet sich der Kopf meist in einer Überstreckung, wodurch zusätzlich das Trinken behindert wird. Diese Fehlspannungen werden im Gesamtkonzept der osteopathischen Behandlung gelöst, damit es zu einem besseren Schlucken kommt. Das Saugen des Babys ist die Grundlage der späteren Sprachbildung. In dieser ersten Zeit müssen die Nerven, die den Schlucktrakt versorgen, erst noch ihre Positionen finden. Dieser Bereich ist eng mit den Kopfgelenken verbunden. Fehlspannungen oder einseitige Spannungen hier führen zu einem unterschiedlichen Abbau der Grundreflexe und damit zu einem einseitigen Bewegungsaufbau (S. Goddard Blythe, 'Greifen und BeGreifen'). Dieser ist aber wichtig für den Aufbau des Körperbildes und wirkt in die höheren geistigen Fähigkeiten ein, die wir beim Lernen brauchen.

Beispiel räumliches Sehen:
Etwa im 8. Monat werden im Sehzentrum die Blauzäpfchen geschaltet und damit ist Farbsehen möglich. Das Kind lernt zu krabbeln und damit den Raum über die Koordination zwischen Nähe und Ferne zu begreifen. Es entwickelt ein räumliches Sehen . Dazu muss die Durchblutung der entsprechenden Hirnareale vorhanden sein, es darf in diesen Bereichen keine Mobilitätsverluste geben. Die Augen und die Kopfgelenke müssen mobil sein.

Weitere wichtige Stufen der kindlichen Entwicklung:
Sprachbildung und Ich-Erkenntnis im 2. Lebensjahr
Cognitive Entwicklung zum Zeitpunkt der Einschulung um das 6. Lebensjahr

Immer wird mit allen Systemen gearbeitet, dem Skelettsystem, den Organen, dem Gefäßsystem, dem Nervensystem, der Psyche!

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Was haben Stillprobleme mit der Entwicklung des Kiefers zu tun?

Stillbeschwerden, Verdauungsstörungen, Sprachfehler und Skoliose. Hinter diesen Dysfunktionen kann ein Übeltäter stecken: Der Kiefer.

Bereits bei einem kleinen Baby kann man Anzeichen für eine mögliche Problematik im Kieferbereich erkennen. Oft haben die Kleinen Probleme mit dem Trinken, sie werden hektisch, verschlucken sich und schreien – so kann das Stillen zum Stress ausarten.

Eine simple Ursache hierfür kann ein nach hinten verlagerter Unterkiefer sein! Auch zu erkennen an einem deutlichen Kinngrübchen. Für dieses Neugeborene ist es problematisch beim Stillen den Kiefer weit genug nach vorne zu bringen um die mütterliche Brustwarze zum Saugen fest genug zu umschließen.

Durch das ineffektive Saugen und Schluckverhalten, gewöhnt sich das Baby ein falsches Schluckmuster an. Doch gerade dieses Schluckmuster ist eine wichtige Grundlage für spätere, wesentlich kompliziertere Funktionen, wie z.B. das Sprechen.

Eine gute Funktion im Mundbereich regt die Drüsen in Wangen- und Mundboden an, die wiederum die Verdauungsfunktion unterstützen (Kohlenhydrate und Zucker). Dem Gehirn werden bereits erste Informationen über die Zusammensetzung der Nahrung vermittelt, so dass bereits die Bildung von
entsprechenden Verdauungsenzymen in Leber und Bauchspeicheldrüse angeregt wird.

Zudem wird beim Saugen der Lymphring des Rachens bewegt, der Fluss der Lymphe wird dadurch angeregt und das Immunsystem wird gefördert. Die gute Nachricht: Diese Kieferproblematik kann schon frühzeitig durch entsprechende Therapie behoben werden.

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Warum kommt es zu Motorik- und Verdauungsproblemen?

Bei einem Teil der Kleinen besteht neben dem oben beschriebenen Kieferproblem, noch eine Verspannung der Hüllgewebe des Rückenmarks, des Gehirns und der Schädelknochen. Hier muss zusätzlich das Gleiten dieser Membranen therapiert werden. Das Baby wird bis zum 3. Lebensmonat durch die Grundreflexe gesteuert. Sind im Bereich der Kopfgelenke die Hüllgewebe zu fest, können die Hirnnerven, die hier den Schädel verlassen, nicht genügend gleiten. Die mögliche Folge ist ein verzögerter Abbau der Grundreflexe und damit ein verzögerter Aufbau der willkürlichen Motorik. Der Tonus der Muskulatur kann sich erhöhen, die Hirnnerven werden irritiert und in ihrer Funktion und Ausbildung gestört. Besonders zu erwähnen ist hier der Vagusnerv, der eng mit diesem Bereich verbunden ist. Er ist unser Ruhenerv und innerviert den gesamten Eingeweidetrakt. Irritationen führen oft zu Unruhe und Verdauungsstörungen.

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Welchen Einfluss hat das Zwerchfell?

Das Herz entsteht beim Embryo auf Höhe der Halswirbelsäule und wandert bis zum 7. Lebensjahr hinab zum Zwerchfell. Die Hüllgewebe des Halses haben zudem eine besondere Funktion. Sie bilden ab den Schlüsselbeinen die Hülle des Herzens und sind an drei Punkten fixiert: am Brustbein, der oberen Brustwirbelsäule und ganz wichtig an der Zwerchfellkuppel. Wenn im Bereich des Zungengrundes und der Kopfgelenke zu viel Spannung herrscht, setzt sich diese bis in den Bereich des Zwerchfells weiter fort. Durch das Zwerchfell zieht die Speiseröhre mit den beiden Vagusnerven. Ein erhöhter Zug hier kann beispielsweise zu Sodbrennen führen. Oft zieht die erhöhte Spannung vom Zwerchfell noch weiter über die langen Hüftbeuger bis in den Bereich des Beckens.

Zum einen wird über das vordere Längsband der Wirbelsäule, das am Steißbein endet, Spannung aufgebaut. Zum anderen werden über das Zwerchfell und die beiden langen Hüftbeuger, die an die Innenseite des Hüftgelenks führen, Spannungen im Bereich von Hüfte, Blase, Schambein und den Endbereichen des Dickdarms aufgebaut. Länger andauernde Fehlspannungen hier könnten sogar zu Problemen der Beinachsen, wie Hüft- und Knieproblemen sowie zu X-Beinen führen.

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Woher kommt das Lispeln?

Der Kiefer wird nicht nur alleine durch sein Wachstum geprägt. Die Ausformung des Kiefers geschieht mit der Entwicklung von Sprache und Atmung. Daher wurde gereimte Sprache mit körperlicher Bewegung in Verbindung gebracht: "Es tanzt ein BiBaButzelmann....". So wird dem Kind schon früh die Koordination von Rhythmus, Atmung, Zungen- und Gesamtmotorik vermittelt – denn Kinder lernen immer über den ganzen Körper. Sprechen ist koordiniertes Ausatmen. Eine mangelnde Funktion hier führt zu Sprachfehlern.

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Welche Rolle spielt die Kieferorthopädie?

Erst mit dem Zahnwechsel um das 6. Lebensjahr und der Entwicklung weiterer Backenzähne setzt die klassische Kieferorthopädie ein.

Vom 8. Lebensjahr bis zur Pubertät wächst das Mittelgesicht um ein Drittel. Mit diesem Wachstum des Mittelgesichtes kommt es auch zu einer Vergrößerung des Oberkieferbereichs. Hat sich die Zunge nicht in ihre richtige Lage orientiert entwickelt sich ein zu schmaler Oberkiefer. Jedes Schlucken mit der Zunge am Oberkiefer formt und weitet diesen Bereich und regt neben dem Lymphring auch die Hypophyse an.
Ebenfalls zu diesem Zeitpunkt entstehen die Nebenhöhlen, welche durch eine gute Nasenatmung gefördert wird.

Neben den oben genannten Punkten ist es zudem wichtig, dass die Höcker der oberen Zähne die unteren Höcker von außen ergreifen.

Oft kommt es jedoch im Schädelbereich zu Entfaltungsstörungen, die zu Bissanomalien, wie dem Kreuzbiss führen können. Mit diesem Bereich eng verbunden sind die Augenhöhlen und die Augen.
Wenn hier eine Asymmetrie besteht, kann dies sogar zu Problemen der Augenkoordination führen, wie z.B. einer Winkelfehlsichtigkeit.

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Woher kommt die Skoliose immer so urplötzlich?

In der Vorpubertät und Pubertät kommt es oft durch die großen Wachstumsschübe zu Veränderung im Skelettsystem, die zu Skoliosen, Morbus Scheuermann, X-Beinen, usw. führen können. Die Ursache hierfür liegt häufig in schon viel früher erkennbaren Problemen, wie z. B. bei der Skoliose in einer bereits seit Geburt vorhandene Gesichtsasymmetrie, der die Wirbelsäule folgt. Die Probleme treten dann wieder an den typischen Stellen, wie Zwerchfell, Becken und so weiter auf. Bei einer kieferorthopädischen Maßnahme sollte daher immer der ganze Körper mit in Betracht gezogen und behandelt werden, denn der Mundbereich steht ganz vielfältig mit dem ganzen Menschen in Verbindung. Nicht nur die Wirbelsäule spielt eine Rolle, sondern auch die Atmung, die Verdauung, das hormonelle System, ....

Ziel der Osteopathie ist es, zu jedem Zeitpunkt der Entwicklung die physiologische Reifung zu unterstützen. Es wird immer gefragt: Was hilft diesem Patienten, was sollte sich entfalten, was hängt mit was zusammen und wo liegen die funktionellen Einschränkungen.

Mit dem Stillen fing alles an!

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